Das Olympia-Projekt – Die Sommerspiele 1984 in Neukölln

Vor 32 Jahren, vom 28. Juli bis zum 12. August 1984, fanden die Olympischen Sommerspiele in Los Angeles statt. Die Sowjetunion boykottierte damals die Spiele und aus naheliegenden Gründen nahm auch ich nicht daran teil. Stattdessen realisierte ich in Berlin-Neukölln ein eigenes Olympia-Projekt. Wie man anhand meiner damaligen "Fotoreportage" entnehmen kann, startete das Männermagazin "Lui" eine große Werbeaktion für seine Ausgabe "August 1984" und zwar "flächendeckend" unter dem Slogan "Die Große Olympia-Nummer".

FotoTextTeilDas Titelbild, das auf den Plakatwänden in der Stadt zu sehen war, passte natürlich nicht in das Konzept radikal-feministischer Gruppen und nach kurzer Zeit waren die Plakate beschädigt oder mit männerfeindlichen Parolen besprüht. "Jagt die Männer in die Wüste", "Männer lügen", "Ihr alten Säue", "Ach, wir Männer sind schon arme Schweine", "Lieber eine Frau im Wasser, als einen Mann am Hals" sind nur einige Beispiele. Scheinbar haben sich auch die anderen Werbeplakate an damals den Männern zugeschriebene Domänen gerichtet; neben den Lui-Plakaten ist auf weiteren Plakaten nur Werbung für Autos, Zigaretten und Fotofilme zu sehen.

Die 1963 gegründete französische Zeitschrift "Lui" baute auf dem Prinzip des amerikanischen "Playboy" auf, sollte aber mehr französischen Charme ausstrahlen. Im März 1977 erschien erstmals eine deutsche Ausgabe von „Lui“, herausgegeben von Heinz van Nouhuys. Sie hielt sich nicht lange am deutschen Markt und wurde aufgrund der sinkenden Auflage 1992 wieder eingestellt. Übrigens zeigte nicht nur das Journal "Lui" im August 1984 sexy Sportlerinnen, sondern auch das seriöse ZEIT-Magazin.

”Lui“ hatte regelmäßig das "Playmate" des Monats zum Ausklappen im Heft, das dann im August 1984 in der Stadt plakatiert wurde. Das erste Ausklappbild der "Geschichte" gab es bereits 1953 im „Playboy“. Dargestellt war Marilyn Monroe, die kurze Zeit später weltberühmt wurde. Die große Zeit der gedruckten Männermagazine scheint vorbei zu sein, sie sind entweder eingestellt worden oder sie kämpfen mit sinkenden Auflagen und geringen Werbeeinnahmen.

Das Portfolio ist nach 32 Jahren schon ein Zeit-Dokument geworden; es zeigt die Stadt wie sie heute nicht mehr zu finden ist. Wir sehen viele leere Trümmergrundstücke, Baulücken und die daraus resultierenden Brandmauern und auch diese drastische Art von Werbung hat es danach nicht mehr gegeben. Noch einmal 32 Jahre in die Zukunft gedacht, werden auch die "analogen" Plakatwände nicht mehr zu finden sein; nur noch digitale Formen dürften vorhanden sein.

Anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro zwischen dem 5. und 21. August 2016 habe ich die vor 32 Jahren entstandenen Photographien aus meinem photographischen Archiv "ausgegraben", digital bearbeitet und neu zusammengestellt. Die Serie besteht aus 54 Photographien, die im August 1984 hauptsächlich in Berlin-Neukölln entstanden sind. Die 30x45 cm großen Photographien sind auf Fotopapier im Passepartout 50x60 cm erhältlich. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 68 Seiten im Format 45×30 cm erschienen (2016).

Friedhelm Denkeler, August 2016