Zur Geschichte der Kleinen Riesin und des Tiefseetauchers

Zum 20-jährigen Mauerfall 2009 erzählte die französische Theatergruppe Compagnie Royal De Luxe auf den Straßen von Berlin das Einheitsmärchen “Die Riesen kommen – ein Märchen für Berlin” mit der Geschichte vom Großen Riesen und seiner Nichte, der Kleinen Riesin, die sich nach langer Trennung am Brandenburger Tor wieder finden. Das Märchen wurde an drei Tagen erzählt:

Erster Tag: Auf der Suche

Die Kleine Riesin wacht vor dem Roten Rathaus auf und macht sich auf den Weg zum Bebelplatz. Nach dem Mittagsschlaf wandert sie zum Gendarmenmarkt, besteigt dort ihr Weltmeereboot und fährt zum Lustgarten. Hier übernachtet die Kleine Riesin.

Zweiter Tag: Die Wiedervereinigung

Der Große Riese steigt am Humboldthafen vormittags aus dem Wasser und geht Richtung Tiergarten, während die Kleine Riesin durch die Friedrichstraße spaziert. Am Nachmittag treffen sie sich nach langer Trennung am Tag der Deutschen Einheit am Brandenburger Tor wieder. Dort übernachten sie.Die-Kleine-Riesin-info

Dritter Tag: Die Glücksparade

Das vereinte Paar zieht in einer Glücksparade durch das Regierungsviertel bis zur Moltkebrücke. Der Große Riese und die Kleine Riesin besteigen an der Moltkebrücke ein Boot und fahren gemeinsam durch das Regierungsviertel in Richtung Museumsinsel davon.

Compagnie Royal De Luxe

Seit fast 30 Jahren steht der Name Royal de Luxe für außergewöhnliches, spektakuläres Straßentheater, das überall auf der Welt Tausende von Zuschauern auf die Straßen und Plätze lockt.

International bekannt wurde die französische Compagnie um ihren Gründer und künstlerischen Leiter Jean Luc Cour-coult mit Produktionen wie "La demi-finale du Waterclash", "Roman-photo tournage", "La véritable histoire de France" oder "Le péplum". In den letzten Jahren kreierte Royal de Luxe Theaterereignisse mit gigantischen, unglaublich lebensecht agierenden Menschen- und Tierfiguren, die zum neuen Markenzeichen der Truppe wurden.

Die "Riesen-Saga", die sich bis heute an den unterschiedlichsten Orten der Welt in immer neuen Geschichten fort-schreibt, entstand 1993 mit "Le Géant tombé du ciel" (Der Riese, der vom Himmel fiel): Drei Tage lang bahnte sich der Große Riese, gelenkt von über 30 Personen, zum ersten Mal seinen Weg durch die Straßen von Le Havre.

Die Kleine Riesin verzauberte 2006 ganz London in "The Sultan’s Elephant" und erhielt daraufhin Einladungen von überall auf der Welt. 2007 war sie mit "Le rhinocéros caché" (Das versteckte Rhinozeros) in Santiago de Chile zu erleben, wo mehr als zwei Millionen Zuschauer aus dem ersten Riesen-Spektakel außerhalb Europas einen Triumph machten. Im selben Jahr tauchte die Kleine Riesin auch in Island auf, in "Le geyser de Reykjavik"

“Die Riesen kommen – ein Märchen für Berlin” von Jean Luc Courcoult

Es war einmal vor langer Zeit, da war Berlin noch ein Sumpfgebiet und Riesen lebten dort. Sie pflanzten große Wurzeln ins Wasser, aus denen nach und nach Bäume emporwuchsen, deren Stämme ihnen später als Pfähle für ihre Behausungen dienten. In einer dieser Hütten wohnte eine kleine Riesin zusammen mit ihrem Onkel, dem Großen Riesen. Er hatte ihr ein wundersames Boot geschenkt, mit dem sie über das Festland reisen konnte.

Aber eines Tages rissen die Land- und Meeresungeheuer die Stadt entzwei. Einer der beiden Teile wurde von Mauern umschlossen. Auf diese Weise wurde der Große Riese von der Kleinen Riesin getrennt. Sein Zorn darüber war so groß, dass er sich in den Fluss stürzte und von dort aus die Tiefen der Ozeane durchwanderte, um den schlafenden Geysir am Meeresgrund zu suchen.

Lange Jahre vergingen, bis er ihn schließlich fand. Er schleppte ihn unter die Mauern der Stadt und weckte ihn unsanft auf. Die Erde bebte, das Mauerwerk wurde unterspült und zerbröckelte, ein Sturmwind setzte das Boot der Kleinen Riesin in Bewegung und hob die Wurzeln der Bäume in die Lüfte.

Als alles vorbei ist, entsteigt der Große Riese dem Fluss und macht sich auf die Suche. Die Kleine Riesin erwacht neben ihrem Boot und entdeckt einen Postsack mit Briefen, die nie zugestellt wurden. Sie beschließt, die Post zu verteilen, und findet auf ihrem Weg durch die Stadt ihren Onkel, den Großen Riesen, wieder.

Friedhelm Denkeler, April 2019

Das Portfolio »Die Kleine Riesin und der Tiefseetaucher« war zum ersten Mal öffentlich in der Ausstellung der »momenta« in Cottbus im Haus am Spremberger Turm vom 11. bis 27. April 2019 zu sehen. (Dokumente)

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