ad sorores Ⅲ – Von Grazien, Victorien und Flachreliefs, 1991

Gegensätzliche Dinge liegen in der Wirklichkeit manchmal so nahe beieinander, dass ihre bildliche Darstellung zweideutig wird und die Fachleute merkwürdige Schlussfolgerungen daraus ziehen lässt. Das ist bei dem Flac»ad sorores III« (Römische Antikensammlung 15. oder 16. Jahrhundert, heute: Pergamonmuseum Berlin)hrelief ad sorores III, das ich als Titel für das gesamte Portfolio gewählt habe, der Fall. Dargestellt werden drei Frauenfiguren, die in dieser Dreierkonstellation gemeinhin "Drei Grazien" genannt werden. Handelt es sich bei der Gruppe, die ich im Pergamonmuseum aufgestöbert habe, nun um ein Grabrelief oder um ein Kneipenschild? Das Relief ist wahrscheinlich aus einer römischen Antikensammlung des 15. oder 16. Jahrhundert in der Sammlung von Friedrich III. in Berlin, wie auch immer, "gelandet".

War die Inschrift "ad sorores III" von Anfang an auf der Tafel? Oder, wie man vermutet, kam sie als spätere Ergänzung hinzu? Wurde der vierte Strich noch später hinzugefügt (er ist nur schwach ausgeprägt), weil er für die Verwendung als Wirtshausschild "Zu den vier Schwestern" benötigt wurde? Auf meinem Bild sind nur drei Striche zu sehen, deshalb bleibe ich bei "ad sorores III" (denn römisch vier schreibt man bekanntlich: IV). Die Drei Grazien sind in der römischen Mythologie die Töchter des Zeus und der Eurynome und heißen Euphrosyne (die "Frohsinnige"), Thalia (die "Blühende") und Aglaia (die "Strahlende").

Weitere Grazien habe ich im Schlosspark Neustrelitz und in der Gipsformerei in Berlin gefunden. Und in Wien war eine Athena mit der Friedensgöttin und die »Allegorie auf die Vergänglichkeit« zu finden. Natürlich darf bei den Grazien auch nicht die »Prinzessinnengruppe Luise und Friederike« von Schadow der Alten Nationalgalerie Berlin fehlen. Eines der bekanntesten Gemälde mit dem Sujet "Die Drei Grazien“ ist von Raffael.

Victoria ist die vergöttlichte Personifikation des Sieges (lateinisch victoria) in der römischen Mythologie, Schutzgöttin des römischen »Die drei Grazien mit Amor« (Bertel Thorvaldsen, Thorvaldsen-Ausstellung, Schloß Gottorf, Schleswig, 1992)Kaisers und jungfräuliche Hüterin des Reiches. Sie ist die Entsprechung der griechischen Göttin Nike. Dargestellt wurde sie häufig fliegend und mit einem Lorbeerkranz als Siegessymbol in der Rechten. Ausschlaggebend für eine gewisse Invasion an sogenannten "Flügelwesen", war das Jahr 1814. Die preußischen Truppen brachten 1814 neben dem Sieg gegen Napoleon auch die von ihm geraubte Victoria des Brandenburger Tores nach Berlin zurück, woraufhin sie sich als Friedens- und Siegesgöttin zunehmender Beliebtheit erfreute.

Der Bildhauer Christian Daniel Rauch (1777– 1857) schuf einen ganzen Zyklus mit sechs Victorien für die Walhalla in Donaustauf (bei Regensburg). Sie gelten als sein Hauptwerk und dementsprechend nehmen sie in meinem Portfolio einen wichtigen Platz ein: "Die freudig auf den Sieger zueilende Victoria", "Die kranzwerfende Victoria", "Die kranzverteilende Victoria", "Die trauernde Victoria", "Die abwägende Victoria" und “Die sich selbst krönende Victoria". Sie entstanden zwischen 1830 und 1842.

Das Flachrelief steht künstlerisch zwischen der Bildhauerkunst und der Malerei. Ein Relief besteht meistens aus einer Grundfläche (oder Körper) aus dem Figuren oder Formen hervorstehen. Je nachdem, wie stark das Hervorstehen geformt ist, spricht man von einem Flachrelief, Halbrelief oder einem Hochrelief (Sonderform: versenktes Relief). Durch die Dreidimensionalität ergibt sich entsprechend des Licht-Schattenspiels eine große Plastizität.

Die Orte meiner Relief-Bilder sind heute nicht mehr alle rekonstruierbar; viele sind aber an den Denkmälern in Berlin, Unter den Linden, entstanden: Reiterstandbild Friedrich des Großen, Denkmäler Wilhelm von Humboldt und Alexander von Humboldt und die Standbilder Friedrich Wilhelm von Bülow und Gerhard David von Scharnhorst.

Für das vorliegende Portfolio habe ich Lichtbilder von Grazien, Victorien und Flachreliefs zusammengestellt, die in dem Jahr 1991 an verschiedenen Orten in Schleswig, Neustrelitz, Fehrbellin, Eberswalde, Donaustauf, Wien, Rhodos, Potsdam und in Berlin, entstanden sind.

Friedhelm Denkeler, Februar 2019

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